KOIDOC's Eintrag vom: 25.11.2017

Verfügbarkeit von frei verkäuflichen Wurmkuren in 2018

Es hat sich in der Koiszene herumgesprochen, dass die bislang frei verkäuflichen Produkte mit dem Wirkstoff Praziquantel am 01.03.2018 nicht mehr verkehrsfähig sein werden, mithin nicht mehr gehandelt werden dürfen.

Keine Wurmkuren mehr verfügbar? Was kann man tun?

Zunächst einmal gilt es, zu unterscheiden mit welchen Substanzen Zierfische behandelt werden. Oft stehen frei verkäuflich im Regal verschiedene Zubereitungen, die Ihnen das Blaue vom Himmel versprechen: Hilft gegen alles und jedes und ist zugleich vollkommen biologisch und unschädlich...

DAS ist heute nicht unser Thema. Wir reden hier von geprüft wirksamen Präparaten gegen Wurmbefall. Medikamenten, die in der Regel nur über den Tierarzt oder mit dessen Verschreibung über eine Apotheke zu beziehen sind. Da wird ein Präparat, das z.B. für Hühner oder Schweine zugelassen ist auf den Koi „umgewidmet“, das heißt in Verantwortung des Tierarztes tierartfremd angewendet. Hat man Glück, handelt es sich um Präparate aus der Nutztierhaltung, da kommt man wegen der Mengenkalkulation auch preislich meist gut hin. Schwierig bis unbezahlbar wird die Anwendung z.B. von Wurmtabletten für Hunde. Da habe ich einmal ganz konkret überschlagen, dass für den besprochenen Wirkstoff bei einem Preis von ungefähr 8 EUR pro 50 mg Hundetablette die Entwurmung des Teiches PRO 1000 Liter (= 1 m³) bei 400 Euro liegen würde, mithin vollkommen unrealistisch ist.

Und da gibt es ganz konkret eben diesen Wirkstoff Praziquantel, der seit den 1980er Jahren weltweit Verwendung findet zur Bekämpfung verschiedenster Wurmerkrankungen bei Mensch (Bandwurmbefall aber auch Bilharziose in Entwicklungsländern) und Tier.

 Gyrodactylus, der Hautwurm. Hakenapparat in der Nahaufnahme. Hier gab es nun in Deutschland jahrelang eine Ausnahmeregelung, nach der für Heimtiere und Zierfische der Wirkstoff von der Apotheken- bzw. gar der Rezeptpflicht befreit wurde.

Da hatten sich einige Hersteller gefunden, die von zertifizierten Apotheken den Wirkstoff in Form eines frei verkäuflichen Medikamentes für Zierfische auf den Markt gebracht haben. Das waren die „glücklichen Jahre“, wo jeder Koiliebhaber ohne Einschränkung frei verkäuflich im Fachhandel und ganz legal ein potentes Wurmmittel erwerben konnte. Dies war zwar vergleichsweise teuer, aber meist wirksam und zugleich höchst verträglich für praktisch alle Fischarten (selbst Myxocyprinus sp., sogenannte Wimpelkarpfen) und da die Hersteller der frei verkäuflichen Produkte kein aufwändiges Zulassungsverfahren durchlaufen mussten noch zu einem erträglichen Preis zu bekommen.

Die freie Verkäuflichkeit von Praziquantel wurde für u.a. Zierfische mit Neufassung der AMVV (Arzneimittelverschreibungsverodnung) im Frühjahr 2016 mit Übergangsfrist bis März 2018 aufgehoben.

 

Was sind für Sie als Koiliebhaber denn nun die konkreten Folgen?

 

Gyrodactylus, der Hautwurm. Hakenapparat, Nahaufnahme

Nun, könnte man denken, wenn es rezeptpflichtig wird dann lasse ich mir halt ein Rezept ausstellen? Leider falsch gedacht: Die Einstufung in die Rezeptpflicht führt dazu, dass die Hersteller ein aufwändiges Prüf- und Zulassungsverfahren durchlaufen müssten, das sehr teuer ist und mithin wohl nicht gemacht wird.

 

Damit

  1. Steht der Wirkstoff Praziquantel spätestens ab März 2018 nicht mehr in den Regalen beim Koi Händler. Zum Teil ist jetzt schon ein Abverkauf eingetreten, da keine neuen Chargen mehr produziert werden.

  2. Kann auch der Tierarzt Praziquantel nur noch in der Umwidmung von Produkten für andere Tierarten (relativ teuer) abgeben.

  3. Stehen dem Tierarzt natürlich immer noch ausreichend andere Wirkstoffe zur Verfügung, um Ihren Koibestand vernünftig gegen Haut- und Kiemenwürmer zu behandeln. Dies allerdings lege artis nur nach erfolgter Diagnosestellung, d.h. der Tierarzt muss den Wurmbefall diagnostiziert haben. Wie wir alle wissen gibt es definitiv zu wenige Tierärzte im Bereich Zierfische, eine auch nur annähernd flächendeckende Versorgung ist einfach illusorisch.

  4. Dürften sich die Anrufe in meinem Büro kommendes Jahr häufen, ich möge doch eine Wurmkur zusenden. Was natürlich ohne Untersuchung / Diagnosestellung nicht geht.
    Bekamen Sie vor Jahren eine Wurmkur noch in der Apotheke ohne Untersuchung Ihres Hundes hat sich das ja nun auch geändert.

  5. Ist einmal wieder eine Regelung getroffen worden, unter der entweder die Kreatur (hier der Koi) leidet, oder wo graue Quellen profitieren. Da wird mal eben über eine Grenze gefahren wo entsprechende Präparate verfügbar sind. Das nun kann eigentlich gar nicht im Sinne des Verordnungsgebers sein.
     

Nun, glücklicherweise gibt es in der Branche einige findige Köpfe, die sich Gedanken über das Problem machen. Präparate suchen, die vor ewigen Zeiten gegen Wurmbefall verwendet wurden, aber auf keiner Liste der rezeptpflichtigen Wirkstoffe stehen. Wollen wir hoffen, dass hier etwas gefunden wird, das bezahlbar und vor allem gut verträglich ist...


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