KOIDOC's Eintrag vom: 10.02.2019 — Mehrere Koi-Farmen in Japan geschlossen: Wurde nur gründlicher untersucht?

KHV - das Koi Herpesvirus. Update Winter 2018 / 2019

Nachdem man in den sozialen Medien und verschiedentliche Kontakte mit Koi - Freunden im vergangenen Winter sehr viel von Ausbrüchen der Koi-Seuche in Japan gehört hat, möchte ich dazu einmal Stellung nehmen.

Im Moment werde ich öfter gefragt, ob man sich denn überhaupt noch einen neuen Koi kaufen könne? Es sollen ja mehrere Farmen in Japan geschlossen worden sein und je mehr man sich mit dem Thema im Internet beschäftige, desto größer sei die Verunsicherung. Zum Teil werde ja sogar behauptet, es handele sich um ein neues Virus, das viel schlimmer sei als das alte.

Was ist denn eigentlich dran an der Problematik und wie ist die Situation einzuschätzen?

Nun, einerseits ist es richtig, dass es diesen Winter vermehrt Koi-Herpesvirus Diagnosen gegeben hat als üblicherweise in den vergangenen Jahren. Sowohl in Japan, als auch nach dem Import in Deutschland.

Die Koi-Seuche, hervorgerufen durch das Cyprinide Herpesvirus vom Typ 3 (CyHV3) ist eine in Deutschland seit 2005 anzeigepflichtige Tierseuche. Dies sollte ein hohes Maß an Sicherheit nach sich ziehen, zeigt es doch, dass man das Problem nicht auf die leichte Schulter nimmt. Von einer Eindämmung der Seuche allerdings kann keine Rede sein, das Virus hat sich im Laufe der Jahre sowohl in Gartenteichen, in Fischzuchten insbesondere der sächsischen Karpfenteichwirtschaft, aber auch in der Natur verbreitet. Eine Auslöschung dürfte illusorisch sein. Insofern wird es spannend werden zu beobachten, was möglicherweise die nähere Zukunft bringen wird, redet man auf EU-Ebene doch offen darüber, die Anzeigepflicht für das KH-Virus zu lockern. Dies wiederum könnte dazu führen, dass von der bis dato geltenden Nicht-Impf-Politik abgewichen wird und die Entwicklung einer Vakzine vorangetrieben werden könnte. Nicht ganz illusorisch, gibt es doch schon verschiedentlich vielversprechende Ansätze der Entwicklung eines mit Genmarker versehenen Lebendimpstoffs (vorgestellt im Oktober 2018 auf der EAFP Konferenz in Fribourg, Schweiz). Zugegeben, ich spreche ganz bewusst im Konjunktiv, es bleibt also spannend.

In Japan hängt mit vielen kleinen und mittelgroßen Betrieben ein ganzer Wirtschaftszweig vom Handel mit Karpfen und Koi ab, da sind massive Restriktionen nicht einfach umzusetzen. Zusätzlich ist der Informationsfluß von Japan nach Europa eher ein Rinnsal, von offizieller Stelle verhält man sich eher zurückhaltend, was die Einschäzung der Situation eher zur Spekulation werden lässt. 

Im vergangenen Winter hat man wohl in Japan etwas gründlicher nachgeschaut und tatsächlich vermehrt KHV-Befunde erhoben, die dazu geführt haben dass die betroffenen Tiere getötet und in den Fällen kleinerer Betriebe die komplette Anlage geschlossen wurde, teils vorübergehend, teils dauerhaft (angeblich hat z.B. der Züchter Chogoro, bekannt für seine schneeweißen Platina, die Koizucht endgültig aufgegeben). Dies zeigt, wie ernst man die Krankheit auch im Herkunftsland der Koi nimmt.

Nun zur eigentlichen Kernfrage: Ich kann nicht bestätigen, dass es sich um ein anderes Virus handelt, das aggressiver sein soll als das Herpesvirus, welches wir bisher als Koi - Herpesvirus gekannt haben. Wir beschäftigen uns mit dem Problem mittlerweile seit dem Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Vor genau 20 Jahren habe ich die erste Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Magazin über das später erst als Koi-Herpesvirus erkannte Problem publiziert (Bretzinger et al., 1999: Mass Mortalities In Koi Carp, Cyprinus Carpio, Associated With Gill And Skin Disease. EAFP Bulletin). Es hat sich bei der Nachweisgenauigkeit und den Laborverfahren sehr viel getan, sodass die Praxis gezeigt hat, wenn ausreichend oft und gründlich untersucht wird, werden betroffene Fische tatsächlich auch mit sehr großer Wahrscheinlkichkeit entdeckt.

Es ist ja nun keine Neuigkeit, dass ein Herpesvirus nach der Infektion zeitlebens im Körper des Wirtes persistieren kann ohne den Fisch zu schädigen. In diesem sogenannten Träger- oder Carrierstatus kann man das Virus in der Regel nicht finden. Erst nach Einwirken von richtig viel Stress auf das Tier wird aus dem Carrier ein Virusausscheider. Dann kann man mit den heute üblichen sehr sensitiven Labormethoden das Virus auch sehr zuverlässig nachweisen. Nun ist es so, dass -ungewollt aber unvermeidlich- die Koi durch den Import aus Japan und den langen Transport genau diesem großen Stress ausgesetzt werden, was dazu führt, dass in der Zeit der Quarantäne nach dem Import ein Virusnachweis sehr zuverlässig gelingt.

Wenn man also die Fische sehr konsequent und zuverlässig einige Wochen nach Import separat hält, sie mehrfach einem Virus Test unterzieht und mit gesunden Fischen aus dem Altbestand vergesellschaftet, können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen, dass wir ein eventuell vorhandenes Virus nachweisen können.

Insofern fasse ich gerne zusammen: Wenn Sie neue Fische kaufen wollen, kann ich nur den Tipp geben: Gehen Sie zu einem seriösen Koi-Händler und fragen sie durchaus nach den Modalitäten seiner Quarantäne. Er wird Ihnen gerne die Ergebnisse der Laboruntersuchungen zeigen, sodass sie sich selber ein Bild machen können, wie gründlich die Fische nach Import untersucht worden sind.

Ganz besonders möchte ich in diesem Zusammenhang davor warnen, unkontrolliert Fische von Privat einfach so in ihren Teich zu setzen. Mittlerweile gibt es ja einen durchaus nennenswerten privaten Koi Markt nachdem das Koi - Hobby etwas in die Jahre gekommen ist. Im anonymen Internet wird allerdings auch Schindluder getrieben. Hier kann man nur festhalten, dass auch ein privater Verkäufer seine Fische vor der Abgabe oder Auflösung des Teiches untersuchen lassen sollte um ein höchstes Maß an Sicherheit zu gewährleisten.

Und schlussendlich möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass auch Sie selbst eine Quarantäne mit den neuen Koi durchführen können. Das heißt, die neuen Fische werden zunächst vom Teich strikt getrennt gehalten und gegebenenfalls vom Fachmann untersucht um eine Ansteckungsgefahr für den Altbestand soweit möglich zu verhindern.

Ich wünsche einen guten Start in die neue Koi-Saison!

Dr. Achim Bretzinger - "KoiDoc"


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